Brennender Fels Cover

Ruhe vor dem Sturm – Brennender Fels

Ich wünsche euch einen fantastischen Tag! Heute soll es um „Brennender Fels“, die Fortsetzung des preisgekrönten Romans „Zerrissene Erde“ von N.K. Jemisin gehen. Der zweite Band der Trilogie ist auf Deutsch 2020 bei Knaur erschienen, in meiner Printfassung 430 Seiten lang und macht genau da weiter, wo sein fantastischer Vorgänger aufhört.

Servicehinweis: Eine Rezension des zweiten Teils wird ohne erhebliche Spoiler des ersten Bandes nicht möglich sein. Wer also vorhat, den ersten Band noch zu lesen, was ich nur empfehlen kann, sollte das vorher tun und erst dann diese Rezension lesen. Die Rezension zum ersten Band “Zerrissene Erde” findet ihr hier

Fang den Mond.

„Brennender Fels“ beginnt genau da, wo der erste Band aufgehört hat. Alabaster und Syenite, die nun Essun heißt, können ihr wiedersehen jedoch nicht wirklich feiern, denn Alabaster wird sterben. Er hat nur wenig Zeit Essun beizubringen was sie wissen muss, denn er zahlt den Preis dafür, dass er diese Fünftzeit ausgelöst hat. Das war jedoch nur der erste Schritt, um die Welt zu retten und die Fünftzeiten für immer zu beenden. Den zweiten, so erfahren wir schon sehr früh im Buch, soll Essun gehen. Sie muss lernen, dass es mehr gibt als die Orogenie, die sie kennt, was es mit den Obelisken auf sich hat und wie sie das Obelisk-Tor nutzen kann, um den Mond zurückzuholen. Gleichzeitig wird sie auch lernen, was es sie kosten wird. Nachdem die Konflikte des ersten Bands in der Vergangenheit lagen und wir nun wissen, wer Essun ist und wer sie war, nimmt sich der zweite Teil viel Zeit die neuen Konflikte aufzubauen.  Essuns Handlungsstrang dreht sich in der ersten Hälfte vor allem darum zu lernen. Nicht nur von Alabaster, sondern auch vom Volk Castrimas, der unterirdischen Gem, in die sie ihre Suche nach ihrer Tochter Nassun im ersten Band geführt hat. Nassuns Spur endet hier. Zum ersten Mal in ihrem Leben sieht sie Orogene und Stillköpfe Seite an Seite leben und arbeiten. Jahrhunderte von Misstrauen und Gewalt lassen sich jedoch nicht einfach wegwischen und so sind Konflikte vorprogrammiert.

Nassuns Weg.

Im zweiten Handlungsstrang von „Brennender Fels“ erfahren wir was Essuns Tochter Nassun in der Zwischenzeit erlebt. Ihr Handlungsstrang wird zunächst geprägt von ihrer Beziehung zu ihrem Vater Jija, der ihren Bruder Uche tötete. Hin- und hergerissen zwischen seinem Wunsch seine Tochter lieben zu können und seinem irrationalen Hass auf Roggas, wird er zu einer ständigen Gefahr für Nassun. Sie lernt ihn zu manipulieren, um zu überleben. Jija bringt Nassun zu einer Gem, in der man angeblich Orogenie heilen könne. Er will nicht akzeptieren, wer sie wirklich ist. Die Einrichtung in dieser Gem ist jedoch ganz anders als Jija erwartet und während Nassuns Macht unter der Obhut eines „defekten“ Wächters immer weiterwächst, wird ihr Blick auf die Welt immer destruktiver.

Nichts bleibt, wie es war.

„Brennender Fels“ nimmt sich viel Zeit seine Konflikte in beiden Handlungssträngen langsam aufzubauen. In der ersten Hälfte spielen vor allem zwischenmenschliche Beziehungen eine große Rolle und während diese beleuchtet werden, lernen wir nebenbei mehr über die Geheimnisse dieser Welt und ihre Vergangenheit. Nicht zuletzt hat die Orogenie selbst mehr Dimensionen als Essun im ersten Band bekannt waren. In der zweiten Hälfte nimmt die Handlung immer mehr an Fahrt auf, wenn die Steinesser beginnen ihre Absichten zu offenbaren und die schwelenden Konflikte eskalieren. Die beiden Handlungsstränge sind miteinander verbunden, führen aber in diesem Band noch nicht zueinander. Stattdessen münden sie beide jeweils in einem Klimax nach dem nichts mehr so ist wie es war und Mutter und Tochter auf Pfade gesetzt werden, an deren Kreuzungspunkt das Schicksal der Welt entschieden werden könnte.

Brücke zum Finale.

Wie so oft bei Trilogien ist auch „Brennender Fels“ ein Brückenband der im Kern zwei Ziele verfolgt. Das World- und Character-Building vertiefen und die Figuren in Position bringen, wo sie im Finale gebraucht werden. Dabei leidet der Band an den gleichen Problemen, die viele dieser Brückenbände gemeinsam haben. Das große Ganze tritt auf der Stelle, bis die Charaktere so weit sind. Nur ganz wenige Romane kommen aus diesem Problem wieder heraus und glänzen. „Brennender Fels“ ist einer davon. Das liegt an mehreren Dingen. N.K. Jemisins Schreibstil ist immer packend und saugt einem förmlich in diese Welt. Ihre Charaktere sind nicht nur jeder für sich vielschichtig und spannend, sondern sie versteht es auch ihre Beziehungen zueinander sehr plastisch werden zu lassen. Nicht zuletzt ist es auch die Welt, die Jemisin in dieser Trilogie entworfen hat, die Lesende bei der Stange hält. Diese Welt hat nicht nur ihre eigene Geschichte, die über Jahrtausende zurückreicht und eine Rolle in der Gegenwart spielt. Diese Geschichte ist den handelnden Personen zum Großteil nicht bekannt. Jemisin bedenkt in ihrer Lore, dass Dinge in Vergessenheit geraten und Funde falsch interpretiert werden können. Die Welt fühlt sich echt an und weckt mein Interesse beim Lesen. Ich will wissen, wie es wirklich war!

Empfehlung.

„Brennender Fels“ ist ein gemächlicher Mittelteil, mit den gleichen Fehlern, die Mittelteile von Trilogien so oft mitbringen. Die Handlung von Essun dient fast ausschließlich dazu mehr über die Welt und ihre Menschen zu erfahren, während Nassun als zweite Protagonistin aufgebaut wird. Zum Glück ist die Welt und ihre Menschen aber so interessant, dass ich das Buch einfach nicht mehr weglegen wollte und Nassun entwickelt sich zu einem Charakter, genauso Komplex wie Essun selbst. Wer nur Action sucht, wird in diesem Band nicht fündig werden. Wer aber eine komplexe vielschichtige Welt erleben möchte, der ist hier goldrichtig. Wie schon im Vorgänger spiegelt diese Welt gesellschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten von Gegenwart, Vergangenheit und insbesondere der afroamerikanischen Geschichte. Was mir auch sehr gut gefällt ist, das diverse Charaktere ganz selbstverständlich Teil der Handlung sind, ohne speziell thematisiert zu werden, wenn es für den Plot nicht relevant ist. Sie sind einfach genauso Teil der Welt wie alle anderen und so sollte es sein. „Brennender Fels“ führt die Geschichte meiner Meinung nach sehr gelungen fort, gerade weil sich N.K. Jemisin die Zeit nimmt in Ruhe ihre Welt und ihre Charaktere näher zu beleuchten, während sie die Weichen für den finalen dritten Band stellt, auf den ich schon sehr gespannt bin. Von mir gibt es auch für diesen Band eine absolute Empfehlung für alle, die auch nur ein wenig mit Phantastik anfangen können.

Rezensionen zu den anderen Teilen der Reihe findet ihr hier.

Titel: Brennender Fels

Autor*in: N. K. Jemisin

Verlag: Knaur Taschenbuch

Erscheinungsjahr: 2020

ISBN: 978-3426525166

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