Cover: Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen

Starkes Debüt mit Schwächen – Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen

Heute soll es um den Roman „Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen“ von F. B. Knauder gehen. Es handelt sich dabei um den Debüt-Roman des Autors und den Auftakt zu einer, aktuell zweiteiligen, Reihe, die sich „Die Inseln“ nennt. Erschienen ist der Roman im Self-Publishing als Print über Epubli und als E-Book auf Amazon. Über diesen ersten Band will ich euch heute berichten. (Achtung: Spoilterteil auf Seite 2)

Eine Welt in den Lüften.

Bei „Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen“ handelt es sich um einen humoristischen Fantasyroman, wie bereits das wunderschöne Cover verspricht. Der Roman spielt in einer Fantasy-Welt, in der unterschiedliche Völker auf Inseln leben, die durch Magie im Himmel schweben. Das Worldbuilding ist sehr detailliert und wirklich gelungen. Die einzelnen Aspekte greifen dabei wunderbar ineinander und man hat sofort das Gefühl, in eine Welt einzutauchen die schon Jahrhunderte an Geschichte hat. Es gibt ein detailliertes Magiesystem, Religionen, verschiedene Völker mit eigener Geschichte, die geprägt ist von den Eigenheiten dieser Welt. Dabei ist bei weitem nicht jedes Detail originell. Die Völker sind ziemlicher Fantasy-Standard und auch deren Eigenschaften wurden nicht komplett auf den Kopf gestellt. Es ist eine Welt, die auf genug Klischees zurückgreift, um nicht zu viel Lernaufwand von mir zu verlangen, aber genug Neues bietet, um spannend zu sein.

Ein Alchemist bricht auf, seine große Liebe und die Welt zu retten!

In dieser Welt lebt ein junger Alchemist namens Gundar Orkenschlächter. Als in dessen Heimatort eine mysteriöse Krankheit ausbricht und nicht nur Gundars Lehrmeister, sondern auch seine große Liebe Nevi daran erkrankt, macht sich Gundar auf, ein Heilmittel für diese Krankheit zu finden. In den Unterlagen seines, von der Krankheit dahingerafften, Lehrmeisters findet er einen Hinweis auf eine Elfenmagierin, die ihm bei der Heilung der Krankheit helfen könnte. Diese ist zwar schnell gefunden, verwickelt Gundar aber in weitere Schwierigkeiten und bald wird er nicht nur von einigen Schlägern, sondern auch von religiösen Fanatikern aus der Magierin Vergangenheit gejagt, die versuchen einen mysteriösen Stein zu stehlen, um damit den Weltuntergang auszulösen. Das Heilen der Krankheit hätte mir als Heldentat jedoch schon gereicht und ist der weitaus spannendere Ansatz. Die Handlung um die Rettung der Welt ist sehr gewöhnliche Fantasy-Kost, die jedoch gut umgesetzt wird und durch den Humor und die Figuren sehr unterhaltsam wird.

Das Dilemma mit den Fußnoten.

Wir müssen an dieser Stelle über Fußnoten sprechen. F.B. Knauder schreibt humoristische Fantasy und die häufige Verwendung von Fußnoten gibt Hinweise darauf, welcher Autor sein Vorbild sein könnte. Terry Pratchett nutzt seine Fußnoten jedoch meisterhaft, um eine Verbindung zwischen den Leser*innen und dem Erzähler aufzubauen und an manchen Stellen die Erzählung humoristisch gezielt zu brechen und zu kommentieren. Auch F.B. Knauder gelingt dies an vielen Stellen sehr gut, aber leider nicht an allen. Oftmals enthalten die Fußnoten nur Zusatzinformationen über die Welt, die in einem Glossar besser aufgehoben wären, oder, wenn sie wichtig sind, direkt in den Text eingebaut werden sollten. Das gilt besonders, wenn die Fußnote mehr als eine Seite einnimmt. Oftmals schweift der Erzähler in den Fußnoten ab und erzählt eine Legende, die lose mit der Handlung in Verbindung steht. Ich mag dieses abschweifen eigentlich ganz gerne, aber es muss keine Fußnote sein, zumal Fußnoten auch eine technische Tücke haben. Ist eine mehrseitige Fußnote in Printform schon einigermaßen nervig, weil ich erst auf die nächste Seite blättern muss, um die Fußnote zu lesen und dann zurückblättern, um mit dem eigentlichen Text fortzufahren, unterbricht es in der E-Book-Fassung ständig den Lesefluss, weil man im E-Book über eine Textreferenz ans Ende des E-Books zur Fußnote springt und dann wieder zurück. Laut meinem E-Book Reader sind fast 25% des Romans Fußnoten. Es hätte meiner Meinung nach den Lesefluss des Romans gefördert, wenn hier mit diesem Stilmittel sparsamer umgegangen worden wäre.

Luft nach oben.

Die Wortbilder und Metaphern von Knauder sind pointiert und humorvoll und die Art und Weise wie er seinen Erzähler zu einem eigenen Charakter werden lässt, der uns die Geschichte von Gundar erzählt, hat mir über weite Strecken ein beständiges Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Die Sätze und deren Aufbau sind aber häufig etwas ungelenk und rumpelig formuliert und auch die ein oder andere Wortwiederholung kommt vor. Das hemmt den Lesefluss zusätzlich zu den Fußnoten erheblich. Es ist nun schwierig von Leserseite herauszufinden, wie hier der Lektorats Prozess ablief, aber es bleibt das Gefühl, dass ein oder zwei Durchläufe mehr, aus einem guten einen sehr guten Roman machen hätten können.

Braucht es mehrdimensionale Bösewichte?

Die Charaktere in „Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen“ sind sehr gut ausdefiniert. Alle haben ihre Stärken, aber auch ihre handfesten Schwächen und F. B. Knauder verzichtet darauf, diese im Laufe der Handlung zu Stärken umzuinterpretieren. Er erlaubt den Leser*innen so, seine Charaktere trotz ihrer Schwächen ins Herz zu schließen. Die Frage ist jedoch: Braucht es mehrdimensionale Bösewichte? Wer mich kennt weiß, dass meine Antwort in der Regel lautet: „Kommt darauf an!“. Ein mehrdimensionaler Bösewicht, dessen Motive und Geschichte man versteht, kann sehr spannend sein. Manchmal erfüllt aber ein Bösewicht, der einfach böse ist und nicht mehr, genau seinen Zweck. Er dient als Gegenpol zum Helden. Als Hindernis. Die Bösewichte in „Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen“ sind genau das. Religiös fanatisch, weil sie es eben religiöse Fanatiker sind und fiese Schläge, weil sie eben fiese Schläger sind. Das hat für mich ohne Probleme funktioniert. Der Erzähler kokettiert sogar damit, dass die Figuren nicht wichtig sind. Er weiß nämlich ihre Namen anscheinend nicht und nenn sie dann einfach „Brustkorbarme“ oder „Oben“ und „Rechts“. Ihnen auf den letzten Metern dann doch noch Namen und Hintergrundgeschichten zu geben, hätte es für mich nicht gebraucht.

Gemischte Gefühle.

„Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen“ hat es mir nicht leicht gemacht. Hier treffen viele stärken auf einige eklatante Schwächen. Die Welt die F.B. Knauder beschreibt, ist sehr spannend und detailliert ausgearbeitet. Die Fußnoten als Stilmittel sind jedoch nicht immer gelungen und mit modernen Lesegeräten zusätzlich problematisch und stören für mich den Lesefluss. Sprachlich schwankt der Roman zwischen gelungenen Metaphern und holprigen Formulierungen. Die Charaktere sind spannend und liebenswert. Die Handlung beginnt mit einer spannenden Prämisse entwickelt sich jedoch schlussendlich doch zur klassischen Weltenrettung. Der Humor trifft genau meinen Geschmack und obwohl es zur Mitte hin einige Durchhänger gibt, ist die Geschichte sehr unterhaltsam und ich hatte Spaß damit. Insbesondere ein fantastischer Twist, ganz am Ende der Geschichte passiert, hat mich für viele Schwächen des Romans entschädigt. Dazu mehr im Spoilerteil.

Empfehlung mit Fußnote.

Ich kann dieses Buch empfehlen, aber mit einer eigenen kleinen Fußnote. Wer humoristische Fantasy mag und sich von vielen sehr langen Fußnoten und einem stellenweise etwas holprigen Text nicht abschrecken lässt, sollte unbedingt zugreifen. Insgesamt haben wir es nämlich mit einem mit einem guten Roman zu tun, der das Potenzial zum sehr guten Roman in sich trägt und einen Twist am Ende hat, der sich wirklich lohnt. Jeder andere sollte den Autor zumindest im Auge behalten, denn er macht spannende Dinge. Während er sich in diesem Roman schon bemüht hat, gender-neutral zu schreiben, hat er den zweiten Roman „Eine Wirtin, ein Schatten und dein Dreckswinter“, der ebenfalls auf den Inseln spielt, aber nur lose mit dem ersten zusammenhängt, komplett gender-neutral geschrieben. In einem spannenden Artikel ist nachzulesen, wie er das gemacht hat. Für mich ist „Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen“ ein spannendes Debüt eines sehr interessanten Autors, dass zwar noch viele Schwächen aufweist, aber gespannt darauf macht, wohin sich F. B. Knauder mit seinen weiteren Werken entwickeln wird. Ich werde bestimmt auch den zweiten Band lesen.


Cover: Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen

Titel: Ein Alchemist, ein Stein und ein Strauß Blumen

Autor*in: F.B. Knauder

Verlag: Epubli/Amazon (Self-Publishing)

Erscheinungsjahr: 2019

ISBN: 978-3750240698

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