Red Rising - Im Haus der Feinde Cover

Kann es zu viel Action geben? – Red Rising: Im Haus der Feinde

„Red Rising: Im Haus der Feinde“ ist der zweite Band der ersten Trilogie des amerikanischen Autors Pierce Brown. Deutschsprachig erschienen 2016 im Heyne Verlag. In meiner Taschenbuchausgabe 558 Seiten lang. Viel Spaß!

Servicehinweis: Eine Warnung direkt zum Beginn, die Besprechung des zweiten Teils kann ohne kleine Spoiler zum Ende des ersten Bandes nicht funktionieren. Wer also „Red Rising“ noch nicht gelesen hat, es aber noch vorhat und empfindlich auf Spoiler reagiert, sollte hier nicht weiterlesen. Allen anderen: Viel Vergnügen!

Der goldene Sohn.

Zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Bandes ist Darrow nun im Namen des Hauses Augustus an der Akademie. Er hat unter den Goldenen Freunde und sogar Liebe gefunden. Er fühlt sich dennoch allein. Zu Ares hat er keinen Kontakt. Seinen neuen Freunden, nicht mal Mustang, gegenüber kann er nie offen sein. Sie würden ihn hassen und verachten, wenn sie wüssten wer er wirklich ist und fürchten, wenn sie wüssten, was er vorhat. Er ist ein Roter im Körper eines Goldenen. Er ist einer der besten unter ihnen und will ihnen den Krieg bringen. Doch Darrow droht zu scheitern und der Gouverneur des Mars, Nero au Augustus, droht ihm seine Unterstützung zu entziehen. Das würde Darrow der Rache des Hauses Bellona aussetzen und die Rebellion zum Scheitern verurteilen. Darrow muss das Spiel aus Intrigen und Macht besser spielen als seine Feinde. Auch über Adrius au Augustus, den Schakal, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und der Verrat lauert hinter jedem goldenen Gesicht.

In die große Arena.

Während der erste Band im geschlossenen Bereich des Instituts spielt, öffnet Pierce Brown in seinem zweiten Roman die Tür in die große Arena der Macht. Darrow ist im Zentrum der Intrigen und Machtspiele angekommen und muss nun beweisen, dass er es besser spielt als alle anderen. Der Autor baut seine vielschichtige Welt weiter aus. Die komplexen Beziehungen zwischen den zahllosen Charakteren können die Leser*innen durchaus überwältigen, sie sind jedoch nötig um das gewaltige Netz aus Allianzen, Intrigen und Verrat darzustellen, aus dem diese Gesellschaft besteht. Gleichzeitig schafft es Pierce Brown aber durch seine zugängliche Sprache, dass man nie verwirrt zurückgelassen wird.

Von Schachfiguren und Charakteren.

Einer meiner Kritikpunkte im ersten Band war die fehlende Charaktertiefe der Nebenfiguren. Die Frage, ob sich dies im zweiten Teil ändert, lässt sich mit einem klaren „Jein“ beantworten. Die Mehrheit der Nebenfiguren, und derer sind es nun viel mehr, bleiben Schachfiguren. Sie haben ihre Rollen im großen Machtgefüge und die füllen sie aus. Mehr können sie nicht. Mehr müssen sie aber auch nicht. Doch hier kommt das große „aber“: Die wichtigsten Nebenfiguren wie Sevro, Mustang, Adrius und Rouge, also die A-Riege der Nebencharaktere, die entwickeln sich weiter, und zwar um Welten. Hier entsteht für mich beim Lesen eine Parallele zu Darrow, denn wir erfahren über die Figuren immer genau so viel, wie Darrow in ihnen sieht. Im ersten Teil waren die anderen goldenen für Darrow bloß Schachfiguren. Wie Schachfiguren hatten sie nur wenige Dimensionen in seiner Wahrnehmung. Wo stehen sie? Welche Züge können sie machen? Welchen Zug werden sie machen? Einige davon sind jedoch zu Freunden, Vertrauten oder Geliebten geworden und diese Figuren erhalten im zweiten Band viel mehr Tiefe, weil auch Darrow mehr an ihnen liegt und mehr interessiert. Die Charaktertiefe der Nebenfiguren spiegelt also Darrows Blick auf eben jene wieder.

Zerrissen zwischen Zweifel und Perfektion.

Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits zum ersten Teil war, dass Darrow zu perfekt ist. Er findet immer eine Lösung. Denkt immer bereits seinen nächsten Schritt mit. Spielt seine Gegner aus. Diese Überlegenheit seiner Fähigkeiten bleibt auch im zweiten Teil erhalten, wird jedoch durch seine innere Zerrissenheit konterkariert. Die Ich-Perspektive, aus der auch dieser zweite Teil geschrieben ist, erlaubt einen tiefen Blick in die Gedanken- und Gefühlswert von Darrow und dort geht es in diesem zweiten Teil sehr turbulent zu. Er ist ein Roter und sein Ziel ist die Rebellion. Er will das System zerstören, dem seine neuen Freunde angehören. Er mag und liebt sie, hasst aber wofür sie stehen. Er ist ein Goldener geworden, um sie zu zerstören, es gefällt ihm aber einer zu sein. Seine Schachzüge fordern Opfer, die er nicht immer bereit ist zu bringen. Freundschaften, Liebe und Menschenleben. Er fragt sich, welche Opfer die Rebellion wert ist und beginnt Fehler zu machen, die schlussendlich in einem nervenzerreibenden Cliffhänger enden.

Keine Zeit zum Durchatmen.

Wie der erste Teil, ist auch der zweite Band voller Action. Eine Wendung jagt die nächste. Action folgt auch Action, Intrige auf Intrige, Schachzug auf Schachzug und irgendwann lechzt man beim Lesen nach einer Verschnaufpause. Mein großer Kritikpunkt an diesem zweiten Band: Sie bleibt einem verwehrt. Das führte bei mir nach zwei Dritteln zu einer leichten Übersättigung und ich hätte mir ein paar ruhigere Momente mit den Charakteren gewünscht.

Empfehlung

„Red Rising: Im Haus der Feinde“ ist noch actiongeladener, noch komplexer und noch interessanter als sein Vorgänger. Wir haben es hier nicht mit einem dieser „langweiligen Mittelteile“ zu tun. Ganz im Gegenteil. Hier stecken so viel Action, Kampf, Mord, Tod und Verrat drin, dass nach zirka zwei Drittel bei mir ein leichtes Gefühl der Übersättigung einsetzte. Dabei trifft Pierce Browns Sprache stehts ins Schwarze. Die Actionszenen erwachten im Kopf förmlich zum Leben, genauso wie die Grausamkeit der Welt, die er beschreibt. Für mich ist dieser zweite Band in vielen, wenn auch nicht allen, Punkten besser als der erste. Wer den ersten Band mochte, mach mit dem zweiten auch nichts verkehrt.


Die Rezension zum ersten Teil „Red Rising“ findet ihr hier


Red Rising: Im Haus der Feinde

Titel: Red Rising: Im Haus der Feinde

Autor*in: Pierce Brown

Verlag: Heyne

Erscheinungsjahr: 2016

ISBN: 978-3453534421

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