Red Rising: Tag der Entscheidung

„Wenn das hier das Ende ist, werde ich ihm entgegenwüten“- Red Rising: Tag der Entscheidung

Heute berichte ich euch von „Red Rising: Tag der Entscheidung“, dem dritten Band der Red Rising Reihe des amerikanischen Autors Pierce Brown. Der Abschluss der ersten Trilogie erschien 2016 im Heyne-Verlag und ist in meiner Taschenbuchausgabe satte 652 Seiten lang. Viel Spaß!

Servicehinweis: Wie so oft bei Fortsetzungen sei an dieser Stelle gewarnt: Ich kann diesen dritten Band nicht ohne teils erhebliche Spoiler zu den ersten beiden Bänden fundiert besprechen. Wer also die ersten beiden Teile noch nicht gelesen hat, es aber noch möchte und empfindlich auf Spoiler reagiert, dem sei hiermit gesagt: STOPP!! NICHT WEITERLESEN!!

Gestorben und gebrochen.

„Red Rising: Tag der Entscheidung“ beginnt seine Handlung ein ganzes Jahr nach dem offenen Ende des Vorgängers. Darrow wurde von den goldenen gefangen genommen, vom Schakal gefoltert, seine Hinrichtung vorgetäuscht und seine Herkunft offenbart. Angeschlossen an Schläuche fristete er Monate in einem winzigen Gefängnis in völliger Dunkelheit. Allein mit sich selbst ist er gebrochen und sein Kampfeswille erloschen. Die Revolution hätte mit ihm sterben müssen, doch die Söhne des Ares, geben nicht auf. Nach Fitchner au Barcas Tod nimmt dessen Sohn Sevro seinen Platz ein und führt getrieben von Rache und Wut den Kampf der Niederlage entgegen. Darrow wird von den Söhnen gerettet doch seine Aufgabe schien nie aussichtsloser. Er muss nicht nur neue und alte Verbündete für sich gewinnen, sondern auch sich selbst wiederfinden. Dabei muss er nicht nur neuen Mut fassen und erneut Opfer bringen und Verluste überwinden, sondern auch seiner Revolution eine Perspektive geben. Er muss erkennen, dass die Revolution nicht der Revolution willen geführt werden kann, wenn man etwas verändern will. Wie geht es nach dem Schlachten weiter?

Krieg und Strategie.

Bei „Red Rising: Tag der Entscheidung“ haben wir es mit einem Buch zu tun, das man durchaus als umfangreich bezeichnen kann. Trotzdem kamen für mich beim Lesen keine Längen auf. Wenn es von irgendetwas in diesem Band zu viel geben sollte, dann wären es jedoch die Strategiebesprechungen. Diese halte ich jedoch, für die Faszination, die dieser Roman ausübt, für zwingen notwendig. Zunächst handelt es sich dabei um die ruhigeren Phasen der Erzählung, von denen mir der zweite Band viel zu wenige hatte. Außerdem zeigen diese Passage zwei wichtige Entwicklungen. Ersten tritt Darrow zunehmend in den Hintergrund und überlässt die Bühne seinen Verbündeten. Dadurch können diese noch einmal mehr Charaktertiefe entwickelt. Zweitens wirkt es umso eindrucksvoller, wenn man am Ende feststellt, dass Darrows Gegner mit ihm Schach spielen, während er sich nicht an die Regeln halten will und schlussendlich das Brett umwirft.

Darrow ist der Krieg.

Pierce Brown entfacht in diesem Band endgültig die große Revolution zu einem Punkt, an dem klar wird, dass es hier Enden muss. Sieg oder Niederlage. Der Revolution hat er über zwei Bände lang ein Gesicht gegeben. Darrow. Der Schnitter. In „Red Rising: Tag der Entscheidung“ lässt er Darrows größte Schwäche offenbar werden. Er ist das Gesicht der Revolution. Des Widerstands. Des Krieges. Er ist nicht das Gesicht der Zukunft. Des Friedens. Dieses Gesicht muss jemand anderes sein. Um den Leserinnen und Lesern das glaubhaft zu vermitteln, sind zwei Dinge notwendig. Zunächst muss Darrow zu dieser Erkenntnis gelangen. Er muss reifer werden. Er muss die Gelegenheit bekommen zu erkennen, dass es eine Zeit nach der Revolution braucht und dass er nicht die richtige Person für diese Zeit sein wird. Dann muss uns der Autor auch eine Person präsentieren, die nachvollziehbar diese Person ist.

Wer ist die Zukunft?

Ohne zu viel zu verraten. Es gelingt Pierce Brown ganz hervorragend, weil er nicht einfach eine Figur neu einführt. Während ich beim ersten Band noch kritisiert habe, dass die anderen Charaktere neben Darrow flach und auf einen wesentlichen Charakterzug beschränkt bleiben, hat sich das in Band zwei schon dramatisch geändert. Er erlaubte den Figuren mehr Tiefe und Persönlichkeit zu entwickeln. Auch im dritten Band dürfen wir ihre Entwicklung, getrieben durch ihre Beziehungen zueinander und die äußeren Umstände, in denen sie leben, nachvollziehen und miterleben. Darrow darf öfter in den Hintergrund treten und den anderen Figuren mehr Raum geben. So gelingt es ihm eine seiner Figuren im laufe der drei Bände zu eben jener Person zu entwickeln, die nicht nur eine Vision für die Zukunft hat, sondern auch den Will und das politische Geschick sie tatsächlich umzusetzen. Davon ist am Ende nicht nur Darrow überzeugt, sondern auch ich als Leser.

Empfehlung

Pierce Brown zeigt auch in „Red Rising: Tag der Entscheidung“ was für ein kompetenter Erzähler er ist. Er versteht es ausgezeichnet den richtigen Tonfall für jede Situation zu wählen. Einmal entführt er uns mit eindringlichen Worten in die Tiefen seiner Figuren und dann schildert er mit einer fast schon poetischen Kälte die Grausamkeiten seiner Welt. Er schafft es komplexe politische Beziehungen und die gesponnen Intrigen immer so zu erzählen, dass ich als Leser folgen konnte. Wo andere ihre Charaktere am Ende oft schon auserzählt haben, gesteht er vielen zu sich im Abschlussband erst richtig zu entfalten. So kann ich ihm sogar den, über alle Teile häufig genutzten, Kniff verzeihen, dass Darrow, aus dessen Ich-Perspektive erzählt wird, oft mehr weiß als die Leserinnen und Leser. Der Twist am Ende war so schön und befriedigend, dass ich das verzeihen kann. Für die ganze Trilogie gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung.


Rezensionen zu den anderen Teilen der Reihe findet ihr hier


Titel: Red Rising: Tag der Entscheidung

Autor*in: Pierce Brown

Verlag: Heyne

Erscheinungsjahr: 2016

ISBN: 978-3453534438

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