Steinerner Himme Cover

„Sei nicht geduldig. Es geht darum, wie eine neue Welt beginnt.“ – Steinerner Himmel

Ich wünsche euch einen fantastischen Tag! Heute geht es um „Steinerner Himmel“ den, Abschluss der Broken Earth Trilogie von N. K. Jemisin. Auf Deutsch erschienen im Knaur Verlag, in meiner Printfassung inklusive Glossar 432 Seiten lang und ein absolutes Lesehighlight. Warum, will ich euch nun berichten.

Servicehinweis: Eine Rezension des dritten Teils wird ohne erhebliche Spoiler der beiden vorangegangenen Bände nicht möglich sein. Wer diese Bände noch nicht gelesen und es noch vorhat, was ich nur empfehlen kann, sollte das vorher tun und erst dann diese Rezension lesen. Die Rezensionen zum ersten und zweiten Band findet ihr hier

Die Tochter.

Nachdem wir im zweiten Band miterlebt haben, wie sich Nassun nachvollziehbar zu dem entwickelt, was einer Antagonistin in dieser Roman-Reihe am nächsten kommt, ist sie nun mit Schaffa und Stahl auf dem Weg nach Kernpunkt. Dort, wo die mächtigen Obelisken geschaffen wurden, will sie allem Leid und Ungerechtigkeit ein Ende setzen. Sie will dem Mond fangen und auf die Erde stürzen lassen. Nassuns Motiv fand ich dabei sehr nachvollziehbar. Natürlich agiert sie nicht vernünftig. Aber sie ist ein Kind, das sich von seiner Mutter nie verstanden fühlte, deren Bruder von ihrem Vater ermordet wurde, der sie nicht lieben konnte, weil sein Hass gegen Orogene zu groß war. Ein Kind, das wütend und enttäuscht von der Welt diese kurz und klein schlagen will und mächtig genug ist genau das zu tun.

Die Mutter.

Essun zieht mit den Überlebenden der zerstörten Gem Castrima gen Norden nach Rennanis, das nun leer stehen sollte, nachdem sie die Bewohner am Ende des zweiten Bandes versteinert hat. Die Nutzung des Obelisk-Tors hat ihren Arm versteinert und sie kann keine Orogenie mehr nutzen, ohne mehr von sich selbst in Stein zu verwandeln. Essun beschließt die Gem zu begleiten, denn zum ersten Mal in ihrem Leben fühlt sie sich als Teil von etwas und sie braucht einen Ort, an den sie mit Nassun zurückkehren kann. Diese Reise zeigt das Ausmaß der Katastrophe, die der Grabenbruch verursacht hat. Viele werden die Reise nicht überstehen und Essun ist nur wenig Hilfe. Umso entschlossener ist sie, den Mond zu fangen und Vater Erde zurückzugeben, um die Fünftzeiten für immer zu beenden.

Syl Anagist.

Die Kapitel über Syl Anagist waren mein persönliches Highlight in diesem Band. Hier erzählt uns Hoa wie alles begann. Wir erfahren was Steinesser sind, wer die Obelisken erschaffen hat und warum der Mond verloren ging. Wunderbar kontrastiert werden diese Kapitel von der Reise Nassuns, die teilweise an den gleichen Orten, tausende Jahre später vorbeikommt und versucht zu verstehen, was sie sieht. Die Kapitel haben aber noch einen viel weitgehenderen Effekt. Sie geben den Leser*innen einen immensen Informationsvorsprung gegenüber Nassun und Essun. Sie helfen uns zu verstehen, worum es den Steinessern geht, was Hoas Ziele sind. Für Nassun und Essun ist diese Information weit weniger relevant. Sie sind zu einem gewissen Grad nur Schachfiguren der beiden Fraktionen der Steinesser in deren Krieg gegen Vater Erde. Der Krieg ist deren Sache und so wird das Finale für Essun nicht einfach ein Kampf um die Zukunft der Welt, sondern der Kampf einer Mutter um ihre Tochter.

Große Themen.

Wie schon die gesamte Trilogie lebt auch „Steinerner Himmel“ sehr stark vom fantastisch flüssigen Schreibstil der Autorin und ihrem Ideenreichtum. Die Welt ist faszinierend und im Finale fügen sich die Puzzleteile endlich zusammen. Dabei bleibt dennoch das Gefühl, dass es noch so viel mehr von dieser Welt zu entdecken gäbe. N. K. Jemisin webt auch in „Steinerner Himmel“ viele wichtige Themen, wie Rassismus, Klimawandel, Sklaverei, Ausbeutung, Ressourcenverschwendung und einige mehr, in die Geschichte ein, ohne jemals aufdringlich oder aufgesetzt zu wirken. Diese Themen gehören einfach organisch zu dieser dystopischen Welt. Der Roman wird alle Leser*innen wunderbar unterhalten, auch wenn sie sich nicht mit diesen Themen auseinandersetzen möchten, doch er hat das Potenzial genau das sehr umfangreich zu tun.

Mutter und Tochter.

Neben der Welt sind die Charaktere die große Stärke der gesamten Trilogie. Sie sehen nicht perfekt aus und verhalten sich auch nicht so. Sie sind Menschen mit Stärken, Schwächen und Traumata. Die Charaktere dürfen lieben, hassen, wüten, Vorurteile haben und Fehler machen.
Die größte Schwäche von „Steinerner Himmel“ habe ich bereits beim zweiten Band kritisiert: Die Handlungsstränge haben nicht gleich viel zu erzählen. Während uns Hoa die gesamte Vorgeschichte von Syl Anagist erzählt und Nassun auf den Spuren dieser vergangenen Zivilisation wandelt, bewegt sich Essuns Handlung nur langsam vom Fleck. Erst in der zweiten Hälfte nimmt das Geschehen wieder Fahrt auf und mündet in einem emotionalen Showdown zwischen Mutter und Tochter, dessen Ausgang ich nicht vorhergesehen hätte. Ein Ende an dem es nicht um Gut und Böse geht, sondern nur um die Liebe einer nicht perfekten Mutter für ihre Tochter.

Empfehlung.

Mit „Steinerner Himmel“ hat N. K. Jemisin einen fantastischen Abschluss für ihre Broken Earth Trilogie abgeliefert. Sie hält das Niveau und zeigt nochmal, wie detailliert und umfangreich ihre Welt ist. Hier stecken so viele kreative Ideen drin, dass allein das Lernen über diese Welt und ihre Geschichte schon unglaublich viel Spaß macht. Der Abschlussband klärt alle offenen Fragen und zeigt gleichzeitig, dass wir nur durch das Schlüsselloch auf eine Welt schauen, die noch viel größer ist. Die Autorin beschäftigt sich in diesem Roman mit vielen gesellschaftlichen Themen wie Klimawandel, Ausbeutung von Ressourcen und der afroamerikanischen Geschichte. Dabei wirkt keines der Elemente aufgesetzt, sondern sind essenzielle Bestandteile und Ursache dieser Dystopie. Jedem, der die beiden ersten Teile gelesen hat, kann ich auch den Abschlussband uneingeschränkt empfehlen. Für mich, ist die Broken Earth Trilogie eine meiner Lieblings-Roman-Reihen.

Rezensionen zu den anderen Teilen der Reihe findet ihr hier.

Steinerner Himmel

Titel: Steinerner Himmel

Autor*in: N. K. Jemisin

Verlag: Knaur Taschenbuch

Erscheinungsjahr: 2020

ISBN: 978-3426525173

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