The Dragon Prince - Netflix

Lesekauz-Special: Wer nicht lesen kann, muss Serien schauen! – The Dragon Prince

Ich wünsche euch einen fantastischen Tag! Da ich aus gesundheitlichen Gründen aktuell nicht so schnell lesen kann, wie ich das gerne hätte, gibt es diesmal ein Lesekauz-Serien-Special zur Fantasy-Animations-Serie „The Dragon Prince“ oder auf Deutsch „Der Prinz der Drachen“. Bisher drei Staffeln zu je neun Folgen lang, ein Netflix Original und eine fantastische Geschichte.

Die Quellen der Magie.

Ähnlich wie „Der Herr der Ringe“, Vorbild aller Verfilmungen westlicher Fantasy, legt die erste Folge in den ersten Minuten die Mythologie und die Prämisse des Plots dar, bevor wir in die Handlung einsteigen. „The Dragon Prince“ erzählt die Geschichte von Xadia, einem Reich voller Magie, das einst nicht nur von magischen Wesen und Völkern wie verschiedenen Arten von Elfen und den Drachen, sondern auch von Menschen bewohnt wurde. Sofort merkt man die Handschrift von Serienschöpfer Aaron Ehasz, der schon an „Avater-The Last Airbender“ mitwirkte, wenn das Magiesystem dieser Welt erklärt wird. Die Magie hat ihren Ursprung in den sechs „Primal-Sources“. Erde, Sonne, Mond, Sterne, Himmel und Ozean. Jedes Wesen und jede Pflanze in Xadia, mit Ausnahme der Menschen, wird mit einer dieser Magiequellen geboren. Der Frieden hielt, bis ein Mensch entdeckte, dass die Essenz magischer Lebewesen selbst als Quelle für Magie benutzt werden kann. Dunkle Magie. Die Menschen wurden in den Westen vertrieben und der Kontinent durch einen gewaltigen Riss aus Lava getrennt. 1000 Jahre nach diesen Ereignissen töten König Harrow von Katolis, einem von fünf Königreichen der Menschen, und sein Berater der dunkle Magier Viren Avizandum den König der Drachen und zerstörten das Ei seines Erben.

Prinzen überall.

Die Serie erzählt die Geschichte des jungen Kronprinzen von Katolis, Ezram und dessen älteren Halbbruder Callum, die während eines Attentats auf König Harrow, durch Mondschatten-Elfen, gemeinsam mit der jungen Elfen-Attentäterin Rayla herausfinden, dass Lord Viren das Ei nicht zerstört hat, sondern in der Burg versteckt. Sie beschließen das Ei zurück nach Xadia zu bringen, in der Hoffnung so den Frieden wiederherstellen zu können. Während die Prinzen sich gemeinsam mit Rayla auf den Weg machen, entspinnt sich in Katolis nach dem erfolgreichen Attentat auf König Harrow ein Netz aus Intrigen, denn der machthungrige Lord Viren trachtet nicht nur nach dem Thron von Katolis, sondern auch nach der Vernichtung Xadias.

Spannende Charaktere.

„The Dragon Prince“ wartet dabei mit einer Riege von rundum spannenden Charakteren auf. Da haben wir Rayla die Mondschatten-Elfe die nicht nur ihren beiden menschlichen Begleitern lehrt, dass ihre Vorurteile über Elfen allesamt falsch sind, sondern ihre eigenen inneren Konflikte ausficht. Begonnen dabei, dass ihre Eltern beim Angriff auf den König der Drachen geflohen sind, statt diesen zu verteidigen, bis hin dazu, dass sie es nicht übers Herz bringt, den Prinzen vom Tod ihres Vaters und Stiefvaters zu erzählen. Prinz Ezram der sich viel besser mit Tieren versteht, als mit Menschen und schrittweise in die Rolle eines Königs hineinwachsen muss. Prinz Callum, der nicht zum großen Schwerkämpfer geboren ist, aber ein Talent für Magie entwickelt. Dabei muss er feststellen, dass ihn der leichte Weg in die Dunkelheit führen könnte. Auch der Antagonist Lord Viren ist ein vielschichtiger Charakter der nicht durch seinen Machthunger allein getrieben, sondern zunehmend von diesem korrumpiert wird.

Diverse Charaktere.

„The Dragon Prince“ ist die diverseste Fantasy-Serie, die ich bisher gesehen habe. Zugegeben, die Latte liegt tief. Während Autor*innen immer öfter auch fantastische Werke mit diversen Charakteren schreiben, haben Fantasy-Romane mit PoC oder LGBTQ+ Personen als Protagonisten schlechte Karten für eine Verfilmung, selbst wenn sie Preise gewinnen. „The Dragon Prince“ legt diese Latte aber ein beachtliches Stück höher. Dabei sind diese Eigenschaften aber nie zentraler Handlungsbestandteil, sondern definieren einfach nur die Charaktere. Ein perfektes Beispiel dafür ist Generalin Amaya. Die Tante von Ezram und Callum ist gehörlos und verständigt sich in Gebärdensprache, die einer ihrer Vertrauten übersetzt. Dabei verzichten die Serienmacher auch bewusst auf Untertitel, wenn niemand anwesend ist, um zu übersetzen, sodass auch die Zuschauer*innen nicht verstehen. Es wird dabei aber nie speziell thematisiert, dass Amaya gehörlos ist, sondern sie ist es einfach. Dasselbe gilt für das Königinnen-Paar eines Königreichs der Menschen, die in der Serie ebenso selbstverständlich sind wie andere queere Charaktere oder PoC wie König Harrow und sein Sohn Ezram. Die Serie zeigt, dass man diverse Charaktere in Fantasy-Geschichten einbauen kann, ohne sie speziell zu thematisieren. Sie sind einfach da, weil sie da hingehören.

Kompakt erzählt.

„The Dragon Prince“ erzählt seine Geschichte auf die beste aller Arten. Keine Folge und keine Szene fühlt sich überflüssig an und gleichzeitig wirkt die Erzählung nie gehetzt, sondern räumt allem seinen angemessenen Platz ein. Die Charaktere dürfen sich entwickelt und die Handlung bleibt durchwegs actionreich und spannend, gewährt aber auch ruhige Momente für die Beziehungen der Charaktere zueinander. Der große Handlungsbogen entspricht zwar zu einem gewissen Grad Fantasy-Standard und ist gelegentlich vorhersehbar, ich empfand es jedoch in den Details als abwechslungsreich genug, um bei der Stange zu bleiben.

Empfehlung.

„The Dragon Prince“ ist eine wirklich gute Fantasy-Animations-Serie, die sich hauptsächlich an westlichen Fantasy-Motiven bedient, im Punkt Diversity aber durchaus Genre-Maßstäbe setzt, ohne dabei lediglich von der geringen Hürde, die es zu überspringen galt, zu profitieren. Das Abenteuer von Rayla Ezram und Callum konnte mich von Anfang an fesseln und ich bin gespannt wie es weiter geht. Ich mochte dabei, dass die Geschichte sehr kompakt erzählt wird und dennoch Raum für Charakterentwicklung lässt. Wer „Avatar – The Last Airbender“ mochte wird auch an „The Dragon Prince“ seine Freude haben und alle, die gerne Animationsserien mögen, sollten auch hier unbedingt mal reinschauen. Ich bin auf jeden Fall gespannt wie es in den kommenden Staffeln weiter geht.

Offizieller deutscher Trailer

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