Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger Cover

Eine emotionale Traumreise – Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger

Ich wünsche euch einen fantastischen Tag! Heute geht es um „Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger“, eine Novelle von Fredrik Backman. Erschienen 2019 bei Fischer Krüger, in meiner Printfassung, inklusive Illustrationen, 80 Seiten lang, ein wahres Lesevergnügen. Viel Spaß!

Servicehinweis: Da diese Novelle nur 80 Seiten lang ist, wird die Besprechung derselben einige Spoiler enthalten, die sich nicht sinnvoll von der Rezension trennen lassen. Dem Lesevergnügen tun diese jedoch keinen Abbruch, weil diese Novelle viel mehr ein Gefühl vermittelt als eine wendungsreiche Handlung. Wer jedoch Spoiler um jeden Preis vermeiden möchte, der springe einfach direkt zum letzten Absatz.

Noah und sein Opa.

„Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger“ erzählt die Geschichte von Noah und seinem Opa, der ihn liebevoll „NoahNoah“ nennt, weil er seinen Namen doppelt so gerne mag, wie alle anderen. Noah und sein Opa haben ein besonders gutes Verhältnis zueinander, denn die beiden verbindet die liebe zur Mathematik, mit der Opa die ganze Welt erklären kann. Noahs Vater, der Opas Sohn ist, und Opa haben sich nie so gut verstanden, denn Noahs Vater liebt Bücher, Musik und spielt Gitarre. Mit Mathematik kann er weniger anfangen. Zu einem gewissen Grad macht Opa die Fehler, die er bei seinem Sohn gemacht hat, bei seinem Enkel wieder gut, wenn er ihm zum Beispiel mit seinen Albträumen hilft. Er bindet Noah eine Schnur an den Arm, an der Noah nur ziehen muss, dann würde er kommen, um ihn zu retten. In den Geschichtsfragmenten sitzen Opa und Noah immer wieder auf einer Bank an einem ganz besonderen Platz, umgeben von Dingen, die ihnen etwas bedeuten. Dort erklärt Noah Opa auch, dass er viel lieber ein Kind sein will, oder gleich direkt alt, wie Opa, die Erwachsenen aber scheinen immer wütend und lachen so wenig. Der Platz wird jedoch von Tag zu Tag kleiner, denn Opas „Mathematikergehirn“ ist krank. Er kann sich nicht mehr an alles erinnern und was bleibt wird von Tag zu Tag weniger. In einigen Passagen spricht Opa mit seiner verstorbenen Frau und erinnert sich an seine Liebe zu ihr und wie er den Garten für sie angelegt hatte, nur um dann heimlich Koriander dazwischen zu pflanzen, um sie zu ärgern. Oma hasste nichts, außer Koriander. Er erinnert sich daran, dass seine Liebe für sie nie Alltag wurde und wie sehr er die Gespräche mit ihr vermisst. Doch bevor er zu ihr zurückkehren kann, hat er noch etwas zu erledigen. Er muss NoahNoah erklären, was mit ihm los ist und dass er ihn verlassen wird.

Mehr Gefühl als Handlung.

Fredrik Backman legt in „Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger“ wenig Wert auf einen stringenten Handlungsverlauf. Er erzählt uns Bruchstücke und Erinnerungen aus dem Leben von Noah und seinem Opa, die immer auch eine Metapher sind. Dabei verwebt er gekonnt die Leidenschaft für die Mathematik mit den Problemen zwischen den Generationen, der Liebe für die Menschen die einem Begleiten, der Traurigkeit, wenn einem dieses Leben entgleitet und der Hoffnung, dass nichts endgültig verloren ist. Schon der fragmentarische Aufbau der Geschichte selbst kann als Metapher für das Vergessen gelesen werden. Ein weiteres Stilmittel, dass Backman auch in seinen Romanen gerne nutzt, kommt auch hier wieder vor. Der Zirkelschluss. Wenn beispielsweise am Ende Opa seinen Sohn nach der Gitarre fragt und Noah ihm eine Schnur anbindet, um ihm die Angst vor dem immer kleiner werdenden Platz in seinem Gehirn zu nehmen, spürt man, dass Backman nichts in dieser Novelle aus Zufall geschrieben hat, sondern mit dem Ziel uns auf eine Reise mitzunehmen, bei der die Handlung in den Hintergrund rückt und sie vielmehr ein Vehikel wird, um in den Ebenen darunter und darüber ein Gefühl zu vermitteln. Er schafft es den Leserinnen und Lesern die Liebe, Angst und Hoffnung, die seine Figuren fühlen so greifbar zu machen, wie nur wenige andere Werke.

Empfehlung.

„Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger“ ist eine kurze Novelle, die zu berühren weiß, ohne, dass der Humor dabei zu kurz kommen würde. Fredrik Backman entführt uns auf eine fragmentarisch erzählte Traumreise rund um Liebe und Abschied in ihren unterschiedlichsten Facetten. Backman beweist wieder, wie feinfühlig er formulieren kann und dass er die Gratwanderung zwischen Emotion und Pathos hervorragend beherrscht. Ich kann dieses kleine Büchlein jedem nur wärmstens ans Herz legen.


Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger

Titel: Und jeden Tag wird der Weg nach Hause länger und länger

Autor*in: Fredrik Backman

Verlag: Fischer Krüger

Erscheinungsjahr: 2019

ISBN: 978-3810530462

Related Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.